A weng a gschichtla

DSC00512b

LOC von links nach rechts: Manfred Holzmeier (sax, clar), Susanne Nagel (voc), Kurt Götz (drums), Jo Blank (bass), Reinhard Wittek (keys), Joachim Weiß (guit)

JAZZ STATT TATORT

Sonntagabend in einem Heizungskeller in der historischen Nürnberger Innenstadt. Tatortzeit. In dem gemütlichen Raum mit 70iger Jahre Flair sitzen fünf Männer und eine Frau bei Rot- und Weißwein. Aber sie schauen nicht etwa den Tatort, wie ca. 10 Millionen andere Deutsche. Nein, sie besprechen die Setliste für ihren nächsten Auftritt. Es wird heiß diskutiert, was gespielt wird. Trotzdem wird auch immer wieder über einen Scherz gelacht. Was die sechs unterschiedlichen Menschen verbindet, ist nicht nur die Freude am gemeinsamen Musikmachen, sondern eine zum Teil seit Jahrzehnten bestehende Freundschaft.
Wer sind die sechs, die sich da alle 14 Tage treffen, um gemeinsam zu swingen, zu grooven, zu rocken und auch mal leise Töne anzuschlagen?
Reinhard Wittek, der Tastenmann, und Joachim Weiß, der Mann an den sechs Saiten, machen seit mehr als vierzig Jahren gemeinsam Musik. Ende der 60iger beginnen sie mit dem Club 93, einer von der Musik der damaligen Zeit inspirierten Beatband. Musikalische Vorbilder sind die Beatles, die Stones, die Lords, Herman´s Hermits. Beide wollen Musik nicht nur konsumieren, sondern selbst welche machen. Reinhard kommt über die Gitarre zum gebraucht gekauften Fender Rhodes Piano, Joachim spielt erst Geige im Schülerorchester, bevor er zur E-Gitarre wechselt. Mit ihrer Vierer-Formation rocken sie Faschingsbälle und Partys im Studentenwohnheim. Neben Coverversionen werden schon immer auch eigene Stücke komponiert, u.a. auf einer Irlandreise, wo die Titel gleich abends am irischen Kneipenpublikum ausgetestet werden. Die Begeisterung für die Musik und ihre Freundschaft hält die Jungs zusammen. Mittlerweile hat die Band sich zu LOC umbenannt, eine Kurzform des englischen locomotive. 1981 kommt eine Sängerin dazu und das Programm wird um Jazz-Standards erweitert. Einige wenige Wechsel gibt es an Bass, Schlagzeug und Gesang. Durch einen dieser Wechsel kommt Kurt Götz 1986 als neuer Schlagzeuger dazu. Kurt, der Mann an der Schießbude, kommt ursprünglich über das Akkordeon und das Klavier, die ihn beide nie sonderlich begeisterten, mit 18 zum Schlagzeug und entdeckt bald seine Liebe für Jazz-Rock und Fusion. Aus einer Jazz-Rock-Band kommend, bereichert er das LOC-Repertoire mit anspruchsvollen Fusion-Titeln. Einige Monate später stößt Manfred Holzmeier, der Mann für die gefühligen Solos an Sax und Klarinette, der auch klassische Kammermusik macht, zur Truppe. Und auch er bringt durch die Blasinstrumente nicht nur einen ganz neuen Ton in die 5er-Gruppe, sondern zusätzlich viele Titel seiner vorherigen Dixie-Band mit. Das Programm wird immer breiter und die sechs werden zur gut gebuchten Hochzeitsband, spielen auf Firmenfeiern, in der Kaiserburg und im Schmelztiegel. Nach dem Ausstieg des Bassers und der langjährigen Sängerin verstärken die beiden jüngsten Mitglieder der Bandgeschichte, Jo Blank, der Mann am Bass, und Susanne Nagel, die Frontfrau am Mikrofon, die Truppe seit 2012. Jo, der zu Auftritten gerne mal seinen wunderschönen Kontrabass mitbringt, kommt über Tenorhorn und Posaune zum E-Bass. Zuerst in einer Blaskapelle, dann in einer Rockband unterwegs, frönt er jetzt seiner Leidenschaft für den Jazz. Susanne, in Jugendjahren gesanglich und an Gitarre und Klavier zugange, entdeckte ihre Liebe fürs Singen in verschiedenen Chören neu und kann bei der LOC ihre Begeisterung für die Texte und Melodien der „goldenen Ära des Swing“ voll ausleben. Alle sechs sind keine Profis, aber leidenschaftliche Musiker, die ihre Passion neben ihrem ausgefüllten Alltag leben. Da alle Bandmitglieder unterschiedliche musikalische Wurzeln haben, bringt jeder ganz neue Titelideen in die Band ein. Gemeinsam ist ihnen die Lust, immer wieder Neues auszuprobieren und die Liebe zur anspruchsvollen, handgemachen Musik, mit der sie live überzeugen. Will man sie buchen, laden die sechs ihre potentiellen Auftraggeber zu einer Session ins gemütliche Heizhaus ein. Damit auch jeder weiß, was er kriegt.

Wer neugierig geworden ist und die sechs live erleben will, hier gehts zu den Auftritten.

 

 

Letzte Beiträge